Aus der Geschichte der Eybaer Feuerwehr


Wann in Eyba eine "Freiwillige Feuerwehr" gegründet wurde, lässt sich nicht nachweisen. Man kann eher annehmen, dass die Eybaer dem Attribut "freiwillig", zumindest zu der damaligen Zeit, gar nicht die besondere Bedeutung beigemessen haben. Nichtsdestoweniger hatten sie spätestens ab 1820 eine schlagkräftige Wehr, die über einen langen Zeitraum dank ihrer damals modernen Spritze und des gut eingespielten Personals sogar eine anerkannte Sonderstellung auf der Saalfelder Höhe genoss. Das Wissen darüber verdanken wir einem 1985 aufgefundenen Aktenbündel, aus dem ich im Folgenden über einige interessante Vorgänge berichten will.

Die Brandkatastrophe, die am 23.4.1762 binnen einer Stunde acht Gehöfte in Eyba in Schutt und Asche gelegt hatte, war wohl der Anlass, dem Brandschutz und der Brandbekämpfung vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. Längst hatten sich wieder Nachlässigkeiten eingeschlichen, die die "Hochadligen von Stocmeierschen Gerichte daselbst", also den Eybaer Schlossherrn, am 25.9.1782 zu folgendem Schreiben an die Gemeinde Eyba veranlassten:

"Nachdem bey hiesigen Hochadeligen Gerichten mißfällig zu vernehmen gewesen, daß  

a) mit dem Feuer dergestalt fahrläßig umgegangen werde, daß man sogar mit Lichtern in die Ställe und Scheunen gehe,

b) die Nachtwache zum Theil durch Jungen und Weibspersonen besorget und

c) die Brunnen auf dem Dorfe nicht gehörig gereiniget werden,

als wir dem hiesigen Adelichen Schultzen Lutsche zu weiterer Bekanntmachung an die hiesigen Unterthanen Kraft dieses anbefohlen, daß..."

Es folgen die Anweisungen zur strikten Einhaltung der Brandschutzbestimmungen mit der Androhung drastischer Geldstrafen bei Zuwiderhandlungen. Dabei beruft man sich auf die bestehende Dorfordnung.

Aus sogen. Citierzetteln geht hervor, dass die Gerichtsherrschaft die Befolgung ihrer Anweisungen auch kontrollierte, und so heißt es in einer Vorladung des Rittergutsbesitzers an den Schultheißen Johann Christoph Lutsche u.a.

"...hat Schultheiß Lutsche darüber zu referieren, ob der Maurer Friedrich und der Schmidt Lösche ihre Böden gehörig geräumt und allen Feuergefährlichkeiten abgeholfen haben."

Im Jahre 1818 wurde die Glockengießerei Christian August Mayer zu Rudolstadt beauftragt, für Eyba eine neue Doppelspritze anzufertigen. Der im Original vorliegende "Contract" wäre auch heute noch ein mustergültiger Liefervertrag.

Die Feuerspritze wurde 1820 geliefert. Sage und schreibe 94 Jahre lang tat sie ihren Dienst, denn sie wurde am 15. Juni 1914 beim Brand des Meinhardtschen Hauses (Nr.8) letztmalig eingesetzt. Zwar war an diesem Tage die neugebaute öffentliche Wasserleitung einschließlich der Hydranten schon funktionstüchtig, auch die Schläuche waren vorhanden, doch es fehlten noch die Strahlrohre. Eine Erleichterung der Löscharbeiten bestand aber schon darin, dass der Wasserkasten der Spritze vom Hydranten aus gefüllt werden konnte.

Das wohl wichtigste und aufschlussreichste Aktenstück ist eine namentliche Aufstellung über die Neuformierung der Löschmannschaften aus dem Jahre 1820. Die darin zum Ausdruck kommende Sach- und Fachkenntnis von der Organisation der sog. Feuerlöschanstalten nährt die Theorie, dass die Eybaer auf fundierte eigene Erfahrungen zurückgreifen konnten. Dieses Lehrbeispiel für das Feuerwehrwesen jener Zeit soll hier ungekürzt wiedergegeben werden:

Feuerdirecktor: Herr Schultheiß Lutsche

Zur Trommel und Feuerlärm: 1. Alte Rose, 2. Schneider Hauke

Special-Direktoren:  

I.Gerichtsschöppe Schorrn Director über die Spritze

Mannschaft: Spritzenmeister der Schmidt Lösche

Spritzenmannschaft: 1.der Wagner Häsner   2.Nusbickel  3.Woekel  4.der junge Kurz  5.Michaelis  6.Zimmermann Baumann  7.Fritze  8.Meuer

Reserve:  9.Metzners Eydam  10.Bärschneiders Sohn

II. Johann Georg Müller Director über die Feuergerethschaften und Waßeranbeyschafer

Personale: A. die sämtlichen Anspänner,   B. Weiber,  C. Kinder,   

D. Knechte und Mägde vom Hof

III. Gerichtsschöppe Bärschneider Director zur Rettung und Ausraeumen 

A. die übrigen Domestiken vom Hof,  B. die übrigen Bauern

IV. Der alte Kurz Director beym Pflugfeuer

Mannschaft: a.Alte Wagner,  b.Alte Jahn

Feuerlaeufer: 1.Nach Saalfeld Leonhardt 2.Nach Reschwitz Rosens Sohn

Stürmen: sowie die Trommel geschlagen wird

Alle Einwohner, die körperlich in der Lage waren, wurden zu Löscharbeiten und weiteren Nebentätigkeiten herangezogen. Die Alarmierung erfolgte durch Feuerruf und Trommeln. Gesonderte Mannschaften hatten die Rettung von Menschen, Vieh und Sachwerten zu besorgen. Bemerkenswert ist, dass die Feuerläufer, deren Aufgabe es war, weitere Hilfe aus der Nachbarschaft herbeizuholen, sich nach Saalfeld und Reschwitz, nicht aber zu den näher gelegenen Orten Arnsgereuth, Kleingeschwenda oder Lositz zu begeben hatten, ein möglicher Hinweis darauf, dass diese Gemeinden damals noch keine moderne Löschtechnik besaßen.

Der erste Einsatz der Eybaer Mannschaft mit ihrer neuen Spritze fand am 6. August 1822 in Lositz statt, wo vier Scheunen brannten.

Schultheiß Johann Georg Steiner schrieb einen Dankesbrief an die Eybaer:

"Die Gemeine Lositz attestiret, daß sich die sämtlichen Einwohner aus Eyba nebst ihrer Spritze, auch zugleich der Herr Rittergutspachter bei unsern Brande sich sehr hilfreich und arbeitsam bezeiget haben, da hingegen stattet ihnen die Gemeine Lositz einen Herzligen innigsten Dank ab. Gott helfe, daß es ihnen auf eine angenehme Art möchte vergolten werden, den 6. August 1822"

Alle Rechte vorbehalten: Text Otto Müller, 2014, Fotos R. Müller